Geschichte des Internationalen Apostolischen Schönstatt-Familienbundes

Ursprung

Der Familienbund hat seinen Ursprung im Liebesbündnis, das Pater Josef Kentenich (1885-1968) am 18. Oktober 1914 mit der Gottesmutter im Heiligtum von Schönstatt geschlossen hat.

Pater Kentenich ist der Gründer der weltweiten Schönstattbewegung. Ihr gehören eine ganze Reihe Gemeinschaften an, die sich mit unterschiedlich enger Bindung in die Struktur der Bewegung einfügen und in gleichem Sendungsbewusstsein als tragende Basis der Bewegung wirken. So gibt es als eigenständige Gemeinschaften solche von Männern, Frauen, Jugendlichen, Priestern, Schwestern, Brüdern und mit besonderer Bedeutung solche von Familien. Die Zentrale der Schönstattbewegung befindet sich seit der Gründung 1914 in Vallendar/Schönstatt, in der Nähe von Koblenz am Mittelrhein. Der Heiligsprechungsprozess Pater Kentenichs ist im Jahr 1974 in der Diözese Trier eingeleitet worden.

Seine erste Gemeinschaftsform erhielt Schönstatt am 20. August 1919 in Hörde durch die Gründung des „Apostolischen Bundes“. Es war die Zeit der Neuordnung Europas und weltgeschichtlicher Umbrüche nach dem 1. Weltkrieg. Die Gemeinschaftsform „Bund“ entwickelte ein ganz eigenes Gesicht. In den Bünden fanden sich die verschiedenen Lebensstände und Geschlechter zusammen, um gemeinsam einen Weg der Heiligkeit zu gehen und ihre besten Kräfte dem Apostolat zu widmen. So entstand auf Initiative des Gründers und durch seinen eigenen Gründungsakt 1950 auch der Familienbund. 

Entwicklungen in Kriegs- und Nachkriegszeiten

Einfache organisatorische Vorformen und Initiativen in Richtung der Familie hatten sich schon vor dem 2. Weltkrieg in den 30-er Jahren gebildet. Als dann Pater Kentenich im Konzentrationslager Dachau, wo er wegen seines Widerstandes gegen den Nationalsozialismus von 1942 – 1945 inhaftiert war, mit dem Sozialpolitiker Fritz Kühr zusammentraf, gründeten sie unter schwierigsten Umständen am 16. Juli 1942 das Schönstatt-Familienwerk. Infolge der regen internationalen Reisetätigkeit des Gründers in den Jahren 1945 - 1950 beauftragte er Pater Johannes Tick mit der Ausgründung des Familienwerkes. So entwickelte sich in den Folgejahren nach und nach die dreigegliederte Familiensäule: Liga, Bund und Verband. In den Jahren 1947, 1948 und 1949 sammelte Pater Tick geeignete Familien und begann 1949 die Kandidatur des 1. Bundeskurses.

Der Gründer schrieb der Familientagung 1948 in Schönstatt (aus der sich dann 1949 der 1. Kurs des Familienbundes in Deutschland und der Welt entwickelte) von Santa Maria, Brasilien, aus einen Brief, der wegen seiner wegweisenden programmatischen Aussagen und seiner visionären Kraft von den Familien als „Gründungsurkunde“ aufgefasst wird. Als Pater Kentenich dann in der Pfingstwoche 1950 dem Gründungskurs des Familienbundes die Tagung zur Vorbereitung der Bundesweihe hielt, war die spirituelle Basis für die weltweite Entwicklung dieser Gemeinschaft gegeben. Am Dreifaltigkeitssonntag (4. 6. 1950) legten 25 Familien im Heiligtum von Schönstatt die Weihe in die Hände des Gründers ab.

Internationale Ausbreitung

In den folgenden Jahren breitete sich der Familienbund nicht nur in Deutschland (und dort sogar auch unter den schwierigen Bedingungen der kommunistischen Herrschaft im östlichen Teil, der „Deutschen Demokratischen Republik“, DDR) aus, sondern - wie der Gründer es wünschte - auch international: in Chile (1969), Südafrika (1979), Argentinien und Paraguay (1983), USA (1987), Brasilien  und der Schweiz (1988), Österreich (1989), Ecuador (1992), Spanien und Ungarn (1995), Polen (1996), Puerto Rico (1998), Mexiko und Tschechien (1999), Portugal (2003).

Dem vom Gründer vorgesehenen föderativen Aufbau des Bundes entsprechend entwickelten sich die einzelnen territorialen Bundesgemeinschaften zunächst relativ unabhängig von einander in den Ländern und Kontinenten. Das oberste Organ der Internationalen Schönstattbewegung, das Generalpräsidium, in dem seit 1994 die Leitungsfamilie des Familienbundes in Deutschland Mitglied war, war als stellvertretende Autorität der zukünftigen Internationalen Leitung verantwortlich für die Entwicklung in aller Welt.

Internationale Vernetzung

Mit der zunehmenden Verbreitung und dem schnellen Wachstum in einzelnen Territorien richtete sich das Augenmerk einiger führender Familien auf die Internationalität der Gemeinschaft. Reisen der Bundesführerfamilie des Ursprungsbundes nach Südafrika und Südamerika weiteten den Blick. 1985 kam es aus Anlass der Feiern zum 100. Geburtstag von Pater Kentenich zunächst eher mehr zufällig und nebenbei zu einem Treffen von Bundesfamilien verschiedener Länder auf dem nahe Schönstatt gelegenen Josef-Kentenich-Hof, dem Zentrum des Familienbundes in Deutschland. Die Kontakte wuchsen langsam, aber im August 1994 (75. Jahrestag der Gründung des Apostolischen Bundes in Hörde) kam es dann zum ersten internationalen Treffen des Familienbundes, an dem Vertreter aus 10 Ländern teilnahmen. Es folgte 1999 aus Anlass des 50. Jubiläums des 31. Mai ein zweites Treffen am Schönstattzentrum in Bellavista/Santiago/Chile, dem Land, in dem der Familienbund sich neben Deutschland am weitesten entwickelt hatte.

Zum 50. Gründungsjubiläum der Gemeinschaft um den Dreifaltigkeitssonntag 2000 herum versammelten sich schon die Repräsentanten aus 14 Ländern in Schönstatt. Bei dieser Gelegenheit beschlossen die vier Führungsfamilien und die vier ersten Ratsfamilien der am weitesten entwickelten Territorien Argentinien, Chile, Deutschland und Paraguay für die Zukunft einen regen Austausch mit regelmäßigen Treffen, auf denen man zu einem Konsens in wesentlichen Punkten hinsichtlich der Spiritualität und der Gemeinschaftsform kommen wollte.

Krönender Abschluss der bisherigen Geschichte

Eine Phase intensiver Gründerstudien schloss sich an. Bei zwei größeren kontinentalen Treffen im Jahr 2003 in Schönstatt/Hillscheid und Tuparendá (Paraguay) trafen sich die Leitungsfamilien und beschlossen, das erste internationale und damit konstituierende Generalkapitel im Januar 2005 auf dem Josef-Kentenich-Hof abzuhalten.

Mit diesem Generalkapitel beendete das Generalpräsidium als höchste Autorität der Internationalen Schönstattbewegung seine stellvertretende Verantwortung für den Familienbund, und die erste Internationale Leitung übernahm am 15. Januar 2005 das Leitungsamt.

An das Kapitel schloss sich eine Dankeswallfahrt nach Rom an, auf der sich die Gemeinschaft den zuständigen Päpstlichen Räten (Laienrat und Familienrat) vorstellte und als besonderes Geschenk von Papst Johannes Paul II. eine Audienz gewährt bekam, seine letzte für Familien überhaupt. Seine Ansprache ist ein kostbares Vermächtnis für die Zukunft.

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